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Roman-Berater

1001 Schuh Blogroman Kapitel 4

Acht Wochen lang präsentieren wir dir ein neues Kapitel des Romans "1001 Schuh" von Coco Meinhard. Hier findest du das vierte Kapitel. 

Kapitel 4

Laura stopfte sich die Kissen im Rücken zurecht. Sie lehnte, in den Hotelbademantel gehüllt, am Kopfende des Betts und streckte die Beine aus. Vorsichtshalber las sie noch einmal die Sicherheitsbestimmungen von Style rebel.

Übrig blieb die rote Samtjacke mit den gelb eingestickten Logos des Eurovision Song Contests. Für Laura-Josefine war das Showzitat gar nicht so heikel, wie es für Laura-Laura gewesen wäre. Josefine trug immer die Mode von übermorgen und deshalb nie das, was gerade angesagt war. Worüber machte sie sich Sorgen? Also wurde es der ESC in Kombination mit einer schwarzen Samthose.

Laura brachte das Handtuch ins Bad. Im Spiegel erschien ihr das eigene Gesicht fremd. Es war so gut gelaunt, dass sich sogar das Fältchen auf der Stirn von selbst geglättet hatte. Keine Schuhbloggerin wusste wirklich etwas über Yunus Q. Sie hatte vorhin sogar die Timelines ihrer beiden Lieblingsexpertinnen auf Facebook zwei Jahre zurückverfolgt. Aber sie, Laura, hatte ihn vorhin persönlich kennengelernt!

Und in wenigen Stunden wüsste sie Wochen vor allen anderen Schuh-Fans, was Yunus Q in der neuen Kollektion präsentieren würde. Sie würde zwar nicht direkt darüber posten können, das verboten die Regeln der Einladung. Aber vieles ließ sich als Spekulation tarnen. Schließlich behielten die Sammlerinnen einander im Netz ein bisschen im Auge. Laura lächelte sich zu. Sie würde mit ihren »Spekulationen« natürlich recht behalten.

Sie sprühte sich mit dem Berlin Eau extrême der Duft-Manufaktur Ceralis ein. Die Duftnote hatte Josefine zu ihrem neuen Parfüm erkoren.

Zurück im Zimmer, schickte sie ihrer Freundin eine Mail mit dem Betreff dringend. Sie musste unbedingt noch herausfinden, ob wirklich und wenn ja, was für ein Versprechen ihre Freundin Yunus gegeben hatte.

Kurz darauf klingelte allerdings nicht das Glöckchen ihres Nachrichtentons. Es ertönte ein Nonono als Stimmzitat von Amy Winehouse. Laura seufzte. Seit sie heute früh Bens Kontaktdaten in das Verzeichnis No call back verschoben hatte, hörte sie das stündlich.

Nonono.

Warum antwortete Josefine nicht? Laura nahm die übergroße Brille, die sie noch spontan gekauft hatte, von der Ablage neben dem Bett. Sie glaubte an Zeichen. Es war einfach zu deutlich gewesen. Kaum war sie am Nachmittag aus dem Tarnladen im Wedding herausgetreten, hatte sie auf der anderen Straßenseite einen arabischen Hochzeitsladen erspäht. Etwas im Schaufenster hatte sie magnetisch dorthin gezogen, noch bevor sie es richtig erkannt hatte. Zwischen den bodenlangen Kleidern mit viel Strassbesatz bot man auch Handschuhe und Brillen an. Laura drehte ihren Spontankauf am Bügel. Die Gläser waren in einem Brombeerton getönt. Genau wie die Wandfarbe, die diese Neo-Punk-Handwerkerin überall auf der Baustelle verteilt hatte. Perfect match.

Laura glaubte nicht an Zufälle. Es gab Dinge, die wollten zu ihr. Meistens Schuhe, aber vorhin war es diese Brille gewesen. Der Preis war zwar stolz gewesen, aber Glücksbringer waren nun mal unbezahlbar.

Nonono.

Ben ließ nicht locker. »Ich geh nicht ran«, rief sie dem Smartphone zu. »In einer Stunde stehe ich mittendrin. In der Preview bei Yunus Q.«

Sie strich sich über die Lippen. Eine gewisse Gefahr bestand, dass auch Caren Veenstra, die deutsche Vogue-Chefin, geladen war. Die kannte Laura gut von einem Event, das sie letztes Jahr gemanagt hatte. Deren scharfem Auge war kein einziger Fehler in der Tischordnung entgangen – bei 487 Personen.

Blingblingbling.

»Na endlich.« Es war höchste Zeit, dass Josefine ihr verriet, welches Versprechen sie Style rebel gemacht hatte. Oder was Yunus damit gemeint haben könnte. Laura sollte es heute Abend immerhin einlösen.

Sie hechtete aufs Bett, wobei sie das ESC-Samtjäckchen unter sich begrub.

Im Kontaktfeld blinkte jedoch Vanessa im Dringlichkeitsmodus. Ihre Agenturchefin hatte ihr gerade noch gefehlt. Es war Lauras erstes freies Wochenende seit einem Monat, das ihre Chefin sogar offiziell genehmigt hatte. Nicht einmal daran hielt sich Vanessa.

Blingblingbling.

Das Glöckchen hörte nicht auf. Was für eine Unverschämtheit! Laura genoss es, nicht ranzugehen. Andererseits … Etwas schlich sich in ihr Bewusstsein, das nach süßer Rache schmeckte. Laura war in Berlin. Sie konnte um 00.57 Uhr nicht in die Hamburger Hafen-City rauschen, um irgendwelche Feuerwehreinsätze in der Agentur zu stemmen. Sie nahm den Anruf entgegen. »Ja, hallo?«, murmelte sie mit extra verschlafener Stimme.

»Du musst sofort kommen. Hier brennt die Hütte.«

Sollte sie doch, Vanessa würde den Brand auch allein löschen. Laura würde in zwanzig Minuten zum Inner Circle des Schuhdesigns aufbrechen. »W-Wie spät ist es überhaupt?«, lallte sie so schlaftrunken wie möglich.

»Egal. Setz dich ins Taxi.«

»W-Was ist d-denn passiert?« Laura spielte weiter die Verschlafene. Ihre Chefin sollte endlich lernen, dass die Mitarbeiter nicht ihre Privatsklaven waren, egal wie viel Vanessa bezahlte.

»Am Dienstag soll das ungarische Staatsorchester bei deinem Kongress Urban Mobility für die Unternehmer spielen. Aber jetzt sitzen die in Urganch fest. Die Maschine hat einen Motorschaden, und es gibt keine Flüge nach Taschkent.«

Laura hörte es genau, aber in der gleichen Sekunde wunderte sie sich: Der Stressimpuls, den sie normalerweise bei solch einer Nachricht empfunden hätte, blieb aus. Laura griff zur neuen Sonnenbrille und setzte sie auf. Die war magisch, anders war Lauras Ruhe nicht zu erklären, und beschützte sie vor allen schlechten Energien. Die brombeerfarbenen Gläser tauchten zudem das Hotelzimmer in ein besonderes Licht. Die verstreuten Kleider wirkten edel. Laura kam sich vor wie in einem Palast im südlichen der sieben Königreiche. Sie war cool wie eine Drachenreiterin. »Telefoniere halt unsere Liste von Musikern ab und stell ein eigenes Kammerorchester zusammen.«

Vanessa ließ einen krähenartigen Schrei los. »Du kennst das Musikprogramm, das Doktor Wagner verlangt hat. Bachs blutdrucksenkende Stücke. Und diese Serenade von Jaipur mit dem Kumbmela oder wie das Ding heißt, das spielt uns doch nicht irgendwer!« In der Leitung rumpelte es, Vanessa musste Aktenordner von ihrem Schreibtisch gerissen haben. »Du besorgst uns ein neues Orchester. Sofort. Von mir aus die Lappländer oder die Dänen«, flüsterte Vanessa. »Du hast doch neulich diesen Dirigenten aus Kopenhagen noch im Konzerthaus geknackt.«

Die Details aus der Künstlergarderobe von Mark Efflund, eine zwischen Ben II und Ben III angesiedelte Episode, hatten hier nichts verloren! Diese Themen erörterte Laura allenfalls mit Josefine. Aber nicht mit ihrer Chefin, die zu allem, aber nicht zur Heiligen taugte. Zeit für klare Ansagen. »Ich bin gerade in Berlin.«

»Du bist – was?« Vanessas Schrei war zu laut für die Mikros. Er wurde in der Mitte für zwei Sekunden unterbrochen, in denen Laura absolut gar nichts hörte.

»Ich habe dieses Wochenende frei, du erinnerst dich.«

»Wir brauchen ein Orchester für Dienstagmittag!«

Wahrscheinlich tigerte Vanessa gerade in ihrem strengen schwarzen Businessdress durch das große Büro, von einer Stelltafel mit der Event-Steuerung zur anderen, und warf sämtlichen verschlafenen Praktikantinnen, die sie sicher schon zusammengetrommelt hatte, Todesblicke zu.

»Zu deiner Erinnerung: Das Event Urban mobility finanziert die Agentur für ein halbes Jahr, auch deine Stelle«, sagte Vanessa sehr langsam. Ihre Stimme war gewitterdunkel geworden.

Laura schwebte im magischen Schutz des Brombeerlichts und stellte sich vor, wie sie als Drachenreiterin das Agenturgebäude mit einem einzigen Feuerspeien zu einem Klumpen Metallschrott schmelzen würde.

»Du kommst sofort zurück!«

»Nein.«

»Laura, das kostet dich …«

»Ich kann wirklich nicht.« Ich würde ja zu lügen, sparte sie sich.

»›Geht nicht‹ gibt’s nicht. Nicht bei meiner Agentur. Pack deine Koffer und ab mit dir.«

»Mit welchem Zug soll ich denn um diese Zeit fahren? Es ist drei Minuten nach eins. Für einen Mietwagen bin ich zu betrunken.«

»Finde eine Lösung. Um sieben Uhr ist Aktionskonferenz.«

Die Verbindung brach ab.

Laura starrte auf das Handy.  Vanessa at her best. Sei’s drum.

Schlimmer war, dass sie noch immer keine Nachricht von Josefine hatte. Dafür hatte Ben elf Nachrichten hinterlassen. Keine einzige davon würde sie abhören.

Laura wischte über den Bildschirm. Es war vier Minuten nach eins. Sie musste gleich aufbrechen. Auch wenn sie nicht wusste, was Josefine versprochen hatte. Notfalls musste sie sich eben von Yunus erinnern lassen. Alles, was jetzt zählte, war die App von Style rebel. Sie aktivierte den stilisierten Schuh. Das Passwort war noch gespeichert. Eine Botschaft ploppte auf.

Reminder: Security advice. Bitte beachten Sie die Sicherheitsvorschriften, und bringen Sie Ihre App zum Sicherheitsscan mit.

Ein Trailer aktivierte sich automatisch. »Wow.« Laura hielt das Phone ganz still. Wo sie heute Mittag noch zwischen Farbeimern, Kabeln und verklebten Schaufenstern gestanden hatte, thronte Yunus Q auf einem goldenen Runddiwan und wies in eine märchenhafte Dekoration. Springbrunnen – mit darauf hüpfenden Schuhen! – umsprudelten ihn. Er lächelte sein unverschämt süßes, männliches Medienlächeln. »Der Baum der Erkenntnis steht im Paradies, heißt es. Ein Engel, sagt eine alte Sage, hat davon einen Samen beim Flug hinauf in den siebten Himmel fallen lassen.« Er hielt ein kleines goldenes Ding in die Kamera. Das Bild zoomte heran. »Diese Nussschale habe ich beim Spazierengehen gefunden und in Berlin gepflanzt.« Yunus erhob sich. »Und seitdem wachsen darauf die schönsten Schuhe der Welt. Überzeugen Sie sich selbst.«

Der Trailer endete. 01.09 Uhr.

Einen Moment war Laura wie verzaubert, bis sie plötzlich nervös wurde. Sie war noch immer nicht angezogen, nicht fertig geschminkt und überhaupt. Aber Laura war schon von Berufs wegen an Stress gewöhnt. Sie griff sich kurz entschlossen das Hoteltelefon und drückte null für den Empfang.

»Madeleine von der Rezeption. Was kann ich für Sie tun?«

»Zimmer neunundneunzig. Ich brauche ein Taxi. In zehn Minuten.«

Nicht nach Hamburg, sondern in den Wedding zu Yunus Qs geheimer Preview.

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"1001 Schuh" von Coco Meinhard

4.99 €
Ein extrem attraktiver Schuhdesigner, ein smarter Schuhfabrikantenerbe und jede Menge Chaos. Die lockerleichte, zuckersüße Dreiecks-Liebesgeschichte von Debut-Autorin Coco Meinhard. Schuhe verändern dein Leben. Das weiß Laura, die erfolgreich in einer Hamburger Event-Agentur arbeitet und leidenschaftlich Schuhe sammelt. Dieses Hobby versteht nicht jeder, und so findet sich Laura als frischgebackene Single in einem mächtigen Stimmungstief wieder. Ihre beste Freundin Josephine schmuggelt sie zum Trost zu einer geheimen Preview bei Yunus Q, dem Shooting Star der Schuh-Designerszene, der sie prompt zu seiner neuen Muse auserwählt. Als dann auch noch Fabian Schröder, Schuhfabrikantenerbe und smarter Mitinhaber des Labels, Laura näherkommt, wird ihre Gefühlslage kompliziert. Denn Yunus gefällt ihr ebenfalls sehr gut – mehr als das, wenn sie ehrlich ist. Doch dann taucht überraschend Top-Model Angelina Labrée auf, die ihren Ex Fabian zurückerobern will. Gleichzeitig zieht das Model Yunus immer mehr in ihren Bann. Ehe Laura die Warnungen ihrer besten Freundin Josephine vor dem internationalen Fashion-Business richtig begreift, wird sie in raffinierte Intrigen und ein Liebeschaos verstrickt, das seinesgleichen sucht ... »1001 Schuh« von Coco Meinhard ist ein eBook von feelings*emotional eBooks. Mehr von uns ausgewählte romantische, prickelnde, herzbeglückende eBooks findest Du auf unserer Facebook-Seite. Genieße jede Woche eine neue Liebesgeschichte - wir freuen uns auf Dich!

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