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Roman-Berater

1001 Schuh Blogroman Kapitel 3

Acht Wochen lang präsentieren wir dir ein neues Kapitel des Romans "1001 Schuh" von Coco Meinhard. Hier findest du das dritte Kapitel. 

Kapitel 3

Den Berliner Altbau-Fassaden fehlte Farbe, dafür waren die Werbeschilder an den Läden bunt. Zwei Lieferwagen hielten in zweiter Reihe. Laura stieg aus dem Car-to-go. Sie prüfte im Seitenspiegel ihr Josefine-lookalike-Outfit. In ihrem Kleiderschrank hatten sich leider nur zwei Riesensonnenbrillen finden lassen. Die mit dem dicken weißen Rand ging gar nicht, weil sie zu sehr nach Paris Hilton aussah. Die andere war ein Erbstück ihrer Tante, echte 1970er mit Leopardenplastikrand und Gläsern in Dunkelorange. Das ging durch, weil Josefine ab und zu auch Vintage-Phasen hatte. Bei den Kleidern hatte Laura die für sie selbst unwahrscheinlichste Kombination zusammengestellt. Sie trug ihren indischen Seidensari in Sonnenuntergangsfarben, Omas Bernsteinkette und die teuren One-sling-Sandalen von Cubis. Für den passenden schillernden Nagellack war sie vorhin den ganzen Ku’damm abgelaufen, bis sie im KaDeWe endlich fündig geworden war. Josefine hatte recht gehabt, die Vorbereitungen allein hatten sie schon prima vom Desaster abgelenkt.

Ohne das Navi des Mietautos hätte sie die Seitenstraße im Wedding nie gefunden. Laura konnte nur hoffen, dass sie das Ding wirklich richtig programmiert hatte: In der Straße gab es gleich drei Wettbüros, eine Döner-Bude und Trödelläden – allerdings nicht von der schicken Sorte. Im Schaufenster vor ihr wurden gebrauchte Waschmaschinen angeboten. Im Vergleich zu Hamburg schien Berlin aus den Fugen und dieser Stadtteil ganz besonders. Einerseits.

Andererseits passte es: In den Schuhblogs hielt sich das Gerücht, dass sich Yunus Q bewusst tarnte. Deshalb würde man ihn also nie, nie, nie in angesagten Stadtteilen zu Gesicht bekommen. Und bislang gab es von ihm tatsächlich keine Bilder im Netz, geschossen von Fans, die ihn beim Brotkaufen erkannt hatten.

Bei Events war Laura cool, egal, wer anwesend war. Aber das hier war anders: Sie präsentierte nicht sich selbst, sondern verkaufte sich als ihre Freundin. Sie fühlte sich aber ganz und gar nicht wie Josefine. Wenn sie ihre Aufgeregtheit nicht krampfhaft unterdrückte, hielten sie die Leute vielleicht wirklich bloß für leicht überdreht und erst recht für Josefine.

Laura drückte sich die Leopardenbrille fest auf die Nase. Sie aktivierte die spezielle Security-App auf ihrem Smartphone. Ihr Standort wurde eingelesen, und plötzlich blinkte ein stilisiertes Schuhpaar, das sich so raffiniert orientalisch ineinanderbog, dass man es auch als einunddreißig lesen konnte. Den Grafiker würde sie gern mal für die Agentur engagieren.

Laura ging an dem Schaufenster mit den alten Waschmaschinen vorbei, weiter an einer Kita mit Abdrücken von Kinderhänden auf Papier in den Fenstern. An der Hausnummer 30 waren die Fenster von innen mit Malerpapier zugeklebt, über dem Eingang hing ein abgeblättertes Apothekenschild.

Noch ein paar Meter. Hinter der Glasfront der 31 waren Schuhe, nichts als Schuhe in der Auslage. Allerdings alte. Laura traute ihren Augen kaum. Zig Paare bedeckten den Boden um Retro-Schaufensterpuppen. Die erste steckte in einem silbernen Strasskleid und hielt die Zelluloidfüße wie beim Charleston nach hinten angewinkelt in der Luft. Die männliche Puppe hinter ihr hatte Zwanzigerjahre-Boxerhosen an. Er trug echte alte Handschuhe mit Wulstnähten. Dahinter bevölkerten dicke Zylinderträger und Damen-Puppen mit Federschmuck den Laden.

Konnte das richtig sein? Die kesse Sohle – Schuhe aus den Roaring Twenties stand auf einem Emailleschild. Laura lugte zwischen den Figuren nach drinnen: Kein besonders üppig gestylter Laden, wenn er auch nicht so staubig billig zu sein schien, wie er auf den ersten Blick wirkte. Immerhin gab es über den Figuren eine Downlight-Leiste und hinten eine mit Kupferblech verblendete Tresenzeile mit Kassenblock.

Laura registrierte das Schild in der Tür: Come in, we’re open. Sie checkte die Uhrzeit. Vierzehn Uhr, sie war zwar pünktlich, aber für die Modeszene war zwei Uhr nachmittags eigentlich wie für andere Menschen fünf Uhr früh. Die perfekte Tarnung, zeitlich.

Hatte Josefine ihr am Ende einen falschen Link gemailt, und das hier war nur eine von den Adressen, die sie für ihre Trendforschung abklappern wollte? Immerhin hatte sie die Mail freihändig am Strand stehend abgeschickt.

Laura betrat den Laden, dabei ertönte über der Tür eine Fanfare à la Comedian Harmonists.

»Nein, die achtunddreißig habe ich nicht mehr …«

»Und von den Steppies?«

Auf einer gepolsterten Bank saß eine Kundin, die sich mit ihren blauen, blickdichten Strümpfen aus den Elbvororten hätte herverirrt haben können, aber nach süddeutscher Provinz klang. Allerdings war Steppies Insider-Jargon für echte Revuegirlschuhe. Laura zwang sich, nicht hinzuglotzen, und tat so, als interessierte sie sich für die Tanzschuhe neben der Charleston-Puppe.

»Moment, ich schau mal nach.« Die Verkäuferin trat auf Laura zu. Sie trug ein stilechtes Kleid mit weißem Kragen und dicken roten Knöpfen. »Falls Sie die probieren möchten, brauchte ich Ihre Schuhgröße. Weil ich sowieso ins Lager gehe.«

Laura wollte schon antworten, da wurde ihr bewusst, dass sie ja gar nicht sie selbst und Josefine alles andere als eine pflegeleichte Kundin war. Außerdem hatte Laura genug Charlestonschuhe zu Hause in Regal II stehen. Sie hatte nun wirklich keine Zeit zu vertrödeln. Sie richtete extra umständlich ihre Siebzigerjahre-Leopardbrille und hielt der Verkäuferin das Smartphone mit dem 31-Schuh-Logo unter die Nase. »Sagen Sie mir lieber, ob ich hier richtig bin. Oder ist das alles nur ein Witz?«

Die Verkäuferin schob das Smartphone zurück und stellte sich sofort in die Blickachse der süddeutschen Kundin.

»Neununddreißig habe ich sogar hier«, sagte sie sehr laut. »Kommen Sie mit«, flüsterte sie und ging weiter hinter eine große Zimmerpalme. »Sie sind bestimmt Frau Kohrs, nicht wahr?«

Laura nickte, wobei ihre dunkelbraunen Haare wippten. Sie hatte sie Josefine-mäßig nach der erstbesten Hochsteckfrisuranleitung aufgetürmt, die sie im Netz gefunden hatte.

»Sie stehen auf der anderen Liste.«

Das bedeutete nichts Gutes.

»Irgendwie muss ein Missverständnis vorliegen …«

Bitte nicht. Dann hätte sie sich die Bahnfahrt mit dem Itzehoer Düngemittelbetriebsrat im Waggon ersparen können, der ihr von den neuesten Güllebiodieselmaschinen vorgeschwärmt hatte.

»Aber die Preview …«

»Kommet Sie no’ mal z’rück, Fräulein Eileen?«, rief die Kundin von vorn. »Bringet Sie am beschten au die Javas in achtunddreißig mit aus’m Lager.«

»Gerne«, flötete Eileen. »Tut mir leid, aber ich kann die Stammkundin nicht warten lassen, Frau Kohrs. Ich bringe Sie einfach rüber zum Chef. Er stellt das richtig. – Bin gleich wieder da!«, rief sie über die Zimmerpalme.

Laura ging in ihrem Sonnenuntergangssari, geführt von Eileen, am Tresen entlang durch einen Vorhang in einen weiß gekalkten Flur. Und mit jedem Schritt klopfte ihr Herz mehr. Wenigstens würde sie gleich wissen, worüber die Schuhbloggerinnen heftig spekulierten: Wer war Yunus Q, wenn keine Scheinwerfer auf ihn gerichtet waren und keine Mikrofone unter seine hübsche Nase gehalten wurden? War er wirklich so smart und entspannt? Oder – Jekyll-Hyde-mäßig – genau der abgefeimte Designidiot, für den ihn die Islington-Front aus London hielt?

»Hier lang!« Eileen öffnete eine Stahltür und deutete in einen Hinterhof, der unter dem Blätterdach einer Kastanie im flirrenden Sommerlicht lag. »Gehen Sie zweimal links, erst um die Fahrradständer, dann zwischen den Mülltonnen durch.«

Trotz des englischen Akzents war die Wegbeschreibung eindeutig. Aber Laura konnte sie einfach nicht mit Yunus Q in Verbindung bringen. Rostige Gitter und olle Tonnen kamen in seiner Luxus-Welt nicht vor. Niemals. Es lag ein fataler Irrtum vor. Bestimmt hatte Josefine den Termin bei Yunus Q mit dem Pitch irgendeiner Werbeagentur verwechselt und falsch gemailt. Laura machte sich auf den Presse-Onkel eines Hinterhof-Start-ups für Speedskater oder eine Stadtimkerei mit angeschlossenem Bienenallergie-Zentrum gefasst.

»Es ist ganz leicht zu finden.« Eileen gab Laura einen kleinen Schubs am Ellbogen.

Die Mülltonnen versteckten sich hinter einer Begrünung, und die Fahrradständer waren aus Blech wie überall. Dafür schimmerte es saphirblau in der offenen Hintertür des Ladengeschäfts der Hausnummer dreißig nebenan. Es zog Laura sofort magisch an. Es war die Farbe von Yunus Qs Label.

Das blaue Schimmern rührte tatsächlich von Schuhkartons her, die drinnen bis zur Türschwelle aufgestapelt waren. Und auf allen war in Gold der schwungvolle Aufdruck zu lesen: Style rebel – Shoes for love and life.

Hinter dem Kartonberg röhrte eine Bohrmaschine, jemand hämmerte, und plötzlich klang es, als würde irgendwas Stoffähnliches bedrohlich laut mehrere Sekunden lang reißen. Die saphirblaue Magie wirkte. Laura spürte physisch, wie die pure Neugier sie immer mehr wie ein warmer Energiemantel umhüllte und alle Sorgen abschirmte. Sie musste ein Grinsen unterdrücken. Sie setzte zielstrebig einen Fuß vor den anderen und hüpfte dann zwischen den Kartons wie eine Figur beim Halma von einem leeren Feld zum nächsten.

Es roch nach frischer Farbe, Lack und – Gewürznelken?

»Vorsicht!«, rief jemand von der Seite.

Zu spät. Laura fühlte das Kabel noch unter der Sohle, aber ihr Tritt zerrte den Stecker aus der Dose in der Wand. Die Bohrmaschine verstummte.

»Schon wieder die Sicherung durch«, schimpfte eine raue Männerstimme.

»Nee. Hier ist ’ne Tussi, die hat den Stecker rausgerissen.« Eine junge Handwerkerin mit Neopunk-Schopf legte einen Schraubenzieher weg.

Tussi? »Phh.« Laura griff sich in die hochgesteckten Haare, wie es Josefine gemacht hätte, wollte etwas sagen, aber ihr nächster Schritt war auch falsch: Eine Warnhupe sprang an, so laut, als wären drei amerikanische Streifenwagen gleichzeitig vorgefahren. Ein hoher Bügel wie am Security-Check eines Flughafens umrahmte sie. Nur dass er in Yunus-Blau lackiert war. Laura merkte erst jetzt, dass sie durch eine Sicherheitsschleuse gestolpert war.

In dem großen Verkaufsraum der Hausnummer 30 waren die Schaufenster zugeklebt, ein weißer Vorhang schirmte sie zusätzlich fast ganz ab. In der Ecke schraubte ein Mann am Boden liegend an einer Lichterleiste.

»Was soll ich mit der machen, Boss?« Die Handwerkerin zog den weißen Stoff zur Seite.

»Nimm ihr das Handy ab und schau nach, was sie sonst noch in ihrer Handtasche versteckt hat.«

Die Stimme gehörte eindeutig Yunus Q, allerdings klang sie kalt. Hatte die blaue Magie der Label-Farbe überall Laura verwirrt, so gab ihr diese Stimme des Schuhmagiers selbst den Rest. Laura fühlte sich wie versteinert. Obwohl ihr klar war, dass Josefine sich in dieser Situation halb totgelacht hätte: Denn der Shooting-Star des Schuhdesigns saß rittlings ganz oben auf einer altmodischen Holzleiter, in ausgewaschenen Jeans mit simplen Sneakern an den Füßen.

»Ich …«, stammelte Laura. Egal ob Talkshow oder Designevent, der Yunus Q, den sie kannte, trat immer nur in sexy sitzenden Seidenanzügen auf, deren Farbe exakt seinen dunkelbraunen Haaren entsprach. Dazu ließ er im TV sein weißes Hemd leicht offen stehen. Sein Bart war stets perfekt getrimmt. Die Augenbrauen hoben sich jetzt aber streng über nougatbraune Augen, die sonst mit amüsierter Ironie ins Blitzlichtgewitter strahlten.

»Kamera, Handy, Tablet, scheißegal, womit Sie spionieren. Her damit!« Er streckte die Hand aus.

Laura versuchte zu lachen wie Josefine. Aber es gurgelte nur in ihrer Kehle. »Also, ich …« Über Yunus’ Schultern hingen hellblaue Seidenbänder, in die weiter unten flache Style rebel–Modelle eingeknotet waren. Auf seinem Kopf thronte ein silberner Pumps, wie eine gekippte Mondsichel mit Antenne.

Laura gelang ein Lächeln. »Eileen von nebenan hat mich durch den Hof gelotst. Vierzehn Uhr war doch richtig?«

Yunus nahm den silbernen Pumps vom Kopf. Seine Haare waren fast grau vom Staub der Deckenplatte. Sein Bart hatte auch ein paar Krümel abbekommen, vielleicht waren es auch Farbreste.

Die Post-Punk-Frau hinter ihr sammelte abgeschnittene Kabelenden ein und kehrte Reste unter Stellwänden zusammen.

»Oh Gott. Stehen Sie etwa auf der Gästeliste?« Seine Stimme hatte zum YouTube-Ton gewechselt. Es gab einfach keinen YouTube-Clip mit Yunus, in dem er nicht liebenswürdig, mit einem Hauch von Kölner Intonation, Nettigkeiten von sich gab: über seine Schuhe, die Moderatorinnen, die Kundinnen.

»Fangen Sie bitte, sonst falle ich noch von der Leiter.«

Der silberne Pumps flog schon. Laura hob die Arme und kam sich vor wie Sterntalers Tochter, als der Schuh genau in ihren Händen landete. Ein echter Yunus Q – unveröffentlicht, neuer als neu. Der Pumps fühlte sich ultraleicht an, biegsam und doch stabil. Nicht wie Alufolie, obwohl er so glänzte, sondern eher wie Seide.

»Ist ein neues Material aus Japan.« Yunus Q kletterte die letzten Sprossen herab.

<>Er strahlte sie an und schaffte es sogar, dass die Seidenbänder nicht von seinen Schultern rutschten. Im schlichten weißen T-Shirt und den Jeans wirkte er völlig unverkrampft. Nur dass Yunus Q in nah und echt noch viel besser aussah, obwohl seine Schultern ein bisschen zu rund, die Beine ein bisschen zu kurz, die Augen ein bisschen zu groß waren. Selbst so simpel gestylt fand Laura ihn einfach süß. Nicht wie ein Baby oder einen jungen Hund, sondern in dem Sinne, den Josefine sofort verstehen würde. Es gab eben Männer, die waren sexy, obwohl sie keine breite Brust oder ein Sixpack hatten. So wie er locker die Arme hochhielt und die Schuhe an den Bändern pendeln ließ, war klar: Der Mann fühlte sich gut in seinem Körper.

»Der Schuh ist fantastisch!« Laura drehte ihn im Licht. »Er ist sogar semitransparent.«

»Ich werde ihn canceln. Er ist nicht perfekt.«

Laura hob die Augenbraue.

Aber Yunus seufzte nur. »Es reicht, dass ich weiß, wo der kleine Fehler steckt.« Er drehte sich zu dem weißen Vorhang vor den Fenstern. »Ich dekoriere gerade den Baum der Erkenntnis für heute Abend.«

Heute Abend? Laura war froh über die große Sonnenbrille. Ihr Gesicht darunter glühte. Zwei Uhr bedeutete in Berlin natürlich zwei Uhr nachts. Sie gab sich einen Ruck. Josefine würde diesen Irrtum mit einem Witz überspielen. Laura gelang ein ausatmendes Pfeifen zwischen Oops-was-ist-denn-da-passiert und Wenn-ich-schon-mal-da-bin.

Yunus legte den Kopf schief. »Jetzt weiß ich, wer Sie sind! Die Sonnenbrille, Ihr Markenzeichen. Sie sind Josefine Kohrs.« Es folgte eine Entschuldigung auf einer Mischung aus Persisch, Deutsch und Französisch, die Laura gar nicht richtig mitbekam, weil Yunus Q sein YouTube-Lächeln eingeschaltet hatte und strahlte wie auf der roten Kulturcouch im ZDF. »Was für ein Missverständnis. Wie konnte das bloß passieren?«

Laura selbst hätte in ihrem Job als Event-Managerin nun einen Stapel Floskeln zum Besten gegeben. Sie wäre zum nächsten Punkt auf ihrer To-do-Liste übergegangen, damit die Peinlichkeit möglichst schnell vergessen würde und alle rechtzeitig auf ihrem Platz waren. Josefine dagegen würde … Ja, was würde Josefine jetzt machen? Laura versuchte es mit einem neutralen »Ah, ja?«.

»Entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht sofort erkannt habe.« Sein Blick wurde samtig dunkel. »Dabei habe ich Sie persönlich auf die Gästeliste gesetzt, nachdem ich gehört habe, was Sie uns versprochen haben.«

Was meinte er damit? Wollte sie ihn in ihrem Newsletter bei Futurissimo erwähnen? Josefine versprach nie etwas. Jedenfalls nicht im Business. Sie hielt gesunden Abstand zu den Verlockungen der Marketingabteilungen. Trends kann man nur erkennen, wenn man völlig unabhängig und nicht voreingenommen ist.

Laura zauberte ein vages Lächeln auf ihre Lippen. »Das freut mich.« Das klang zu fade, nicht gerade schlagfertig. Josefine war nicht käuflich. Das bedeutete aber nicht zwangsläufig, dass sie nicht mit ein paar Tricks arbeiten würde, um an die neuesten Trends zu kommen. Tough war Josefine und auch schon lange genug im Geschäft. »Ich weiß nicht, wer in meinem Büro zwei mit vierzehn Uhr verwechselt hat. Als ob wir jemals, jemals am Nachmittag eine Preview gemacht hätten.« Yunus ließ die Seidenbänder schwingen. »Jedenfalls stehen Sie auf der Liste der falsch getippten Einladungen, die schon raus waren, bevor ich es gemerkt habe.«

Lauras Business-Ohr hörte heraus, dass er ihr einfach nur über die Peinlichkeit helfen wollte. Er schaute treuherzig wie ein Cockerspaniel in der Futterwerbung. »Sie kommen doch heute Nacht hoffentlich wieder?«

Er war wirklich süß. Auch weil die Besorgnis in seinen Augen so echt wirkte. Renovierungsstaub hin oder her. Laura musste schmunzeln.

»Sie lächeln? Sie werden kommen?« Yunus drückte ihre Hände.

Die Berührung brachte Lauras Herz auf Trab.

»Stop. Stop. Stop.« Yunus drehte sich um. Er ließ die Seidenbänder von den Schultern gleiten. Die Schuhe legte er sorgsam auf einem Stück grünen Filz ab. »Jürgen, die Downlights bitte nur an den gelben Markierungen anbringen.«

Der Handwerker stand mittlerweile auf einer Leiter neben den saphirblauen Kartonbergen.

»Die aus Bronze oder die aus Kupfermetallic?«

»Abwechselnd.« Yunus verdrehte die Augen.

»Okay, Boss.«

Laura brauchte Infos, das war sie Josefine schuldig. »Wo wird die Preview denn stattfinden?«

»Na, hier.« Yunus zwinkerte ihr sogar zu.

»Auf dieser Baustelle?«

»Wieso? Wir sind fast fertig.«

Sie standen vor unverputzten Wänden, Kabel hingen aus der Decke, die Seitenwände waren mit Tüchern verdeckt, und in der Mitte erhob sich ein seltsamer Hügel unter einer Abdeckplane. Es gab keinen Fußbodenbelag über dem grauen Estrich. Josefine hatte sicher schon seltsamere Kreative getroffen, deshalb sagte Laura nur: »Wie ganz fertig aussieht, schaue ich mir gern an.«

»Denken Sie an Ihr Versprechen, bitte.« Yunus rieb einen Krümel Putz von der Augenbraue.

Was blieb ihr anderes übrig? Wenn sie nur wüsste, was sie versprochen haben sollte! Laura drehte den silbernen Pumps in der Hand. »Er ist so leicht, als könne er fliegen.«

Yunus’ Blick verschleierte sich einen Moment. Seine Lider schlossen sich fast. »Fliegen allein … ist nicht so schön wie zu zwein …«, summte er, und sein Medienlächeln legte sich wieder auf seine Lippen. Yunus kroch die Leiter schnell hinauf, mit einem Seidenband um den Unterarm.

»Sorry, Sie stehen im Weg.« Die Neo-Punk-Frau schleppte einen Zehnliterfarbeimer um Laura herum.

»Nehmen Sie heute Abend ein Taxi. Nachts ist der Wedding ein bisschen rau«, rief Yunus von oben. »Stellen Sie den Metallica-Pumps einfach unter die Leiter.«

»Da ist es aber sehr staubig.«

»Macht nix. Das Material könnten Sie mit einer Stahlbürste schrubben. Ich habe ihn auf dem Gasbrenner in Form gebogen.« Er lachte. »Eileen lässt Sie drüben durch unser Tarngeschäft raus.« Damit drehte er ihr den Rücken zu und justierte den nächsten Deckenhaken.

Laura spürte den federleichten Schuh kaum in der Hand. Der Schuh war so biegsam, dass sie ihn in einer Falte des Saris hätte verstecken können. Die Verführung war groß: Weder der Elektriker noch die junge Handwerkerin beobachteten sie. Es war die ideale Dankes-Trophäe für Josefine. »Bis heute Abend.«

Sie machte einen Slalom durch die hellblauen Kartons und ging an der Wand vorbei, die die Handwerkerin brombeerfarben strich.

»Den Schuh lassen Sie bitte hier. Ich brauche den für den Baum der Erkenntnis«, rief Yunus Q ihr nach.

Laura zuckte unter dem distanzierten Ton zusammen, sie blickte zurück. Yunus deutete von der Leiter herab genau auf die Tasche in ihrem Sari.

»Es gibt keine Ausnahmen, Frau Kohrs. Die Sicherheitsvorkehrungen gelten für alle. Sogar Jarl-der-Große akzeptiert das.«

Und der konnte sich alles erlauben. Laura wäre am liebsten im Boden versunken. Sie konnte nicht anders und blieb steif stehen, bis ihr einfiel, dass sie gar nicht Laura, sondern Josefine war. Und die war dreist. »Ich habe ihn gar nicht mehr. Vielleicht ist Ihrer Handwerkerin ein Karton darübergerutscht.« Schließlich gab es noch den zweiten, sollte Yunus den aufhängen.

»Soso.«

»Bis heute Nacht.« Laura drehte sich einfach nicht mehr um, sie winkte und lief aus der Baustelle hinaus.

Kaum war sie durch den Hof in den Vintage-Schuhladen nebenan zurückgekehrt, prallte sie beinahe mit Eileen zusammen.

Diese checkte sie mit einem harten, klaren Blick von oben bis unten ab. Ehe Laura reagieren konnte, griff Eileens Hand einfach in die Tragefalte ihres Saris. Sie schnappte sich den silberfarbenen Schuh und hielt ihn hinter ihren Rücken.

»Yunus hat mich informiert, dass er leider gar keine Zeit dafür hat.« Eileen lächelte zuckersüß. »Wie nett von Ihnen, Frau Kohrs, dass Sie den Schuh herübergebracht haben.«

Laura blieb nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Schließlich war man von einer Gästeliste schneller gestrichen, als man drauf kam. Cool bleiben, irgendwie. »Mir hat er gesagt, er überlege noch, ob er ihn heute Abend präsentiert.« Sie zuckte mit den Schultern. »Das klären Sie am besten mit ihm selbst.«

»Natürlich.« Eileen klang betont neutral und freundlich.

Den Ton benutzte Laura in der Event-Agentur auch. Geschäftskontakte musste man immer das Gesicht wahren lassen.

Eileen geleitete sie bis zur Tür des Ladens. »Bis heute Nacht.«

Laura hatte das Gefühl, die letzten Meter hinauszuschweben und dabei noch nachzuzittern. Sie hatte es doch nicht vermasselt und war nicht von der Gästeliste gestrichen, aber was zur Hölle hatte sie sich nur dabei gedacht, den Schuh einfach mitgehen zu lassen? Josefine zu spielen, war ihr anscheinend zu Kopf gestiegen.

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1001 Schuh

4.99 €
Ein extrem attraktiver Schuhdesigner, ein smarter Schuhfabrikantenerbe und jede Menge Chaos. Die lockerleichte, zuckersüße Dreiecks-Liebesgeschichte von Debut-Autorin Coco Meinhard. Schuhe verändern dein Leben. Das weiß Laura, die erfolgreich in einer Hamburger Event-Agentur arbeitet und leidenschaftlich Schuhe sammelt. Dieses Hobby versteht nicht jeder, und so findet sich Laura als frischgebackene Single in einem mächtigen Stimmungstief wieder. Ihre beste Freundin Josephine schmuggelt sie zum Trost zu einer geheimen Preview bei Yunus Q, dem Shooting Star der Schuh-Designerszene, der sie prompt zu seiner neuen Muse auserwählt. Als dann auch noch Fabian Schröder, Schuhfabrikantenerbe und smarter Mitinhaber des Labels, Laura näherkommt, wird ihre Gefühlslage kompliziert. Denn Yunus gefällt ihr ebenfalls sehr gut – mehr als das, wenn sie ehrlich ist. Doch dann taucht überraschend Top-Model Angelina Labrée auf, die ihren Ex Fabian zurückerobern will. Gleichzeitig zieht das Model Yunus immer mehr in ihren Bann. Ehe Laura die Warnungen ihrer besten Freundin Josephine vor dem internationalen Fashion-Business richtig begreift, wird sie in raffinierte Intrigen und ein Liebeschaos verstrickt, das seinesgleichen sucht ... »1001 Schuh« von Coco Meinhard ist ein eBook von feelings*emotional eBooks. Mehr von uns ausgewählte romantische, prickelnde, herzbeglückende eBooks findest Du auf unserer Facebook-Seite. Genieße jede Woche eine neue Liebesgeschichte - wir freuen uns auf Dich!

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