Romane für Frauen: Wir lieben Frauenliteratur!

Hört man Romane für Frauen, denkt man zuerst einmal in Klischees. Pastellfarbene Cover mit Schnörkelschrift vor schmachtendem Paar, die Handlung meist sehr simpel angelegt: starker erfolgreicher Mann findet arme hilflose Frau und rettet sie aus ihrem tristen Leben. Happy End, fertig. Was wir Frauen eben so lesen wollen, oder? Nein! Frauenromane haben völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf! Mittlerweile gibt es mehr als genug Bücher für Frauen, die beweisen, dass Frauenliteratur so viel mehr kann als Klischees. Eigentlich benötigt man überhaupt keine eigene Sparte dafür, weil Männer diese Literatur genauso gut lesen können wie wir Frauen. Gut unterhalten werden wir alle dabei.

Was macht Frauenliteratur aus? Wir haben für euch hier einige ausgezeichnete Beispiele gefunden!

1. Frauen in der Hauptrolle

Zuerst einmal müssen wir weg von unserem Klischeedenken. In modernen Frauenromanen spielen Frauen die Hauptrolle und zwar nicht nur so lange, bis der Prinz auf dem Pferd daher kommt und die Handlung übernimmt. Egal ob als gerissene Ermittlerin in Kriminalromanen, als eigenwillige Kämpferin in historischen Romanen, als starke Persönlichkeit in Liebesromanen oder als dominanter Part in Erotikromanen – Frauen in Romanen sind unglaublich vielschichtig und faszinierend oft genau deshalb, weil sie nicht perfekt sein müssen. Im Gegensatz zu den oft zu heldenhaft gezeichneten Männerfiguren dürfen Frauen in der Literatur auch ihre Macken und Fehler haben. Das macht sie nicht nur nahbarer und glaubhafter für die Leserinnen und Leser, sondern auch gleichzeitig viel sympathischer und vielschichtiger. Frauen als Protagonistinnen sind, wie im echten Leben, schon lange nicht mehr das schwächere Geschlecht, dass sich einer Welt voller Männer nicht durchsetzen kann – sie stehen für ihre Überzeugungen ein und kämpfen sich ihren Weg durchs Leben.
Frauen in der Hauptrolle bieten jede Menge Stoff zum Nachdenken und manchmal können wir uns mit ihnen auch wunderbar identifizieren.

2. Frauen als Autorinnen

Frauenliteratur gilt als eigenes Genre. Bücher von Frauen für Frauen. Weil eben diese Literatur angeblich explizit für Frauen geschrieben ist, hat sie leider einen schlechten Ruf. Seichte Handlung, weniger intellektuell mögen viele da denken. Bücher von männlichen Autoren können von allen gelesen werden, Bücher von weiblichen Autorinnen aber nur von Frauen. Diese Einstellung ist bei vielen von uns tief verankert: schon in der Schule werden fast ausschließlich Werke von männlichen Autoren gelesen. Das mag bei Klassikern noch nachvollziehbar sein, auch wenn es in jeder Epoche Autorinnen gab, ist aber in der modernen Literatur nicht mehr aufrecht zu erhalten. Der Grund dafür ist recht simpel — die Literaturwissenschaft ist männlich dominiert, deshalb haben männliche Autoren es auch heute noch wesentlich einfacher, als literarisch wertvoll in den Literaturkanon aufgenommen zu werden. Diese Theorie bestätigt sich auch, wenn man dahin schaut, wo Literatur in wirtschaftlichen Wert umgewandelt wird: seit der ersten Vergabe des Nobelpreises für Literatur im Jahr 1901 haben 100 Männer und gerade einmal 14 Frauen den Preis erhalten. Grund dafür ist aber nicht, dass es nicht genug wertvolle Literatur von Frauen gibt, sondern dass Frauen als Autorinnen es auch heute noch schwerer haben, nicht in die klischeebehaftete Frauenliteratur-Schublade gesteckt zu werden.

3. Ganz viel Gefühl

Was wäre die Welt ohne Liebe? Kaum eine gute Geschichte, egal ob von Frauen oder von Männern geschrieben, kommt ohne Liebe aus. Dabei geht es nicht immer nur um die klassische Liebe zwischen zwei Menschen an sich, sondern auch um Familienbande oder Freundschaften, die ohne ein bisschen (freundschaftliche) Liebe nicht halb so schön wären. Aber auch andere Gefühle, die weit weniger positiv sind, können eine wichtige Rolle spielen:

  • Hass
  • Eifersucht
  • Trauer
  • Angst
  • Einsamkeit
  • Ohnmacht 
  • Zorn

Auch hier kommen die Frauen der Literatur zugute, sagt man ihnen doch nach, dass sie viel gefühlsbetonter sind und handeln. Das macht Frauen als Figuren in Romanen nicht nur viel interessanter, sondern auch gleichzeitig unberechenbarer, können Gefühle sich doch auch von jetzt auf gleich drastisch ändern. So wird aus Liebe schnell mal Wut, wenn alles nicht so kommt, wie es sein soll. Oder aus tiefer inniger Freundschaft Hass. Solche drastischen Stimmungswechsel in Romanen passieren nicht, weil Frauen so schrecklich launische Wesen sind, sondern, weil die Persönlichkeit vielschichtig ist und die Welt eben komplexer als nur Schwarz und Weiß. Die persönlichen Entwicklungen der Frauencharaktere in Büchern zu verfolgen und zu herauszubekommen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen und zu welchen Handlungen sie dann geleitet werden, macht tausendmal mehr Spaß, als eindimensionale Charaktere, die bei allem immer die Oberhand gewinnen. Und manchmal brauchen wir auch diese einfachere Form der Lektüre, die uns aus dem Alltag mitnimmt, in eine Welt, in der am Ende alles gut ausgeht und die große Liebe wartet. Das ist dann vielleicht einer dieser klassischen Romane, die allen bei dem Begriff Romane für Frauen in den Sinn kommt, aber das muss nicht automatisch bedeuten, dass die Handlung deshalb weniger interessant ist oder die Charaktere deshalb super simpel gestrickt sind. Packt man Bücher für Frauen nämlich in diese Schublade, macht man es sich schlicht zu einfach.

4. Für die Feministinnen unter uns

Zugegeben, wir fühlen uns ein kleines bisschen gut dabei, wenn wir Autorinnen unterstützen, die mit ihren Werken nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Außerdem schaffen Autorinnen es oftmals viel besser, uns in Coming-Of-Age- Romanen oder in Büchern, die von den Konflikten einer Frau in ihren Zwanzigern, Dreißigern oder in welchem Alter auch immer, handeln, uns genau da abzuholen, wo wir sind. Für Frauen ist es logischerweise einfacher, sich mit Frauen zu identifizieren. Am besten gelingt das, wenn eben diese Frauen aus den Romanen dann nicht nur hilflos der Welt ausgeliefert sind, sondern reflektiert und manchmal auch impulsiv oder gefühlsbetont handeln. So sind wir Frauen schließlich im wahren Leben auch. In besonders guten Fällen, kann ein Roman uns auch dabei helfen, bestimmte Denkweisen nachzuvollziehen und vielleicht bietet sich manchmal auch die Gelegenheit, bestimmte Erkenntnisse von besonders inspirierenden Frauencharakteren in Romanen auf unser eigenes Leben zu übertragen. Schließlich wählen wir die Bücher, die wir lesen, meist aus einem bestimmten, wenn auch häufig unbewussten Grund, zu einem bestimmten Zeitpunkt in unserem Leben aus. Dann kann die taffe Polizistin, die sich durchsetzt, die leidenschaftliche Ärztin, die für ihre Meinung kämpft oder die unerschrockene Verkäuferin, die für ihre Rechte einsteht, auch Vorbild und Inspiration sein.

Jetzt, wo wir wissen, was Bücher für Frauen so besonders macht, wird es Zeit, von der Theorie in die Praxis zu gehen. Romane für Frauen können so viel mehr als nur bloße seichte Unterhaltung, wie es uns die Vorurteile manchmal weiß machen wollen! Wir haben hier 5 ausgezeichnete Beispiele dafür:

1. Charlotte Roth - Als wir unsterblich waren

Charlotte Roth erzählt in Als wir unsterblich waren eine großartige Familiensaga, die sich von den 1920er Jahren bis ins Jetzt zieht:

Die kluge und mutige Paula, kämpft in den zwanziger Jahren leidenschaftlich für Frauen- und Arbeiterrechte. Ihre Träume von einer neuen, gerechteren Welt teilt Paula mit dem charismatischen Studentenführer Clemens, mit dem sie Seite an Seite kämpft. Viele Jahrzehnte später kommt Paulas Enkelin, die Studentin Alexandra, dem großen Geheimnis ihrer Großmutter auf die Spur.

2. Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen

Katharina Hagena erzählt in Der Geschmack von Apfelkernen von magischen Erinnerungen an die Sommerferien bei der Großmutter und geheimnisvollen Geschichten der Tanten. Drei Generationen von Frauen einer Familie, deren Schicksale miteinander verwoben sind:

Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder in dem Haus ihrer Großmutter, in dem sie als Kind ihre Sommerferien verbracht hat und mit ihrer Cousine durch die Zimmer und durch den Garten spielte. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem ihre Großmutter vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter. Iris bleibt eine Woche allein im Haus und sieht sich mit längst vergessenen Erinnerungen konfrontiert. Iris ahnt, dass es verschiedene Spielarten des Vergessens gibt. Und das Erinnern ist nur eine davon.

3. Anna Ozana- Antworten für Jara

Anna Ozana erzählt in Antworten für Jara die Geschichte einer tiefen Freundschaft:

Olga Bolem erfährt, dass ihre Freundin Jara sterben muss. Jara, die Freundin, die ihr mehr bedeutet als ihre drei Ehemänner, als Joachim Sartorius, den sie vergessen will; Toni Fürstenberg, eine Episode, der sie durch die Ehe Dauer verleihen wollte, und schließlich Kostas Lambridis, der Mann, den sie entschlossen ist zu lieben. Denn Jara ist ihr Alter Ego, der Spiegel einer schwesterlichen Existenz. Nur mit Jara teilt sie die Erinnerung an die mährische Heimat, an die blühenden Kirschbäume, den schlesischen Gutshof und an die Jahre, in denen sich Olga auf der Höhe des Lebens fühlte, in den nächtelangen Gesprächen in ihrem Münchner Atelier, wo die Freunde den Tod, die Angst und das Grauen mit Worten zu vertreiben hofften. Und was geschieht, wenn Jara tot ist?

4. Anna Hope- Fünf Tage im November

Anna Hope erzählt uns in Fünf Tage im November eine Geschichte über drei Frauenschicksale, die auf dramatische Weise miteinander verknüpft sind:

Fünf Tage im November 1920 - Zum ersten Mal in der Geschichte werden die Überreste eines unbekannten Soldaten bestattet und nach London gebracht. Währenddessen versuchen drei Frauen, jeweils mit ihrer eigenen Trauer fertigzuwerden: Adas Sohn ist im Krieg verschollen. Sie ist davon überzeugt, dass er noch lebt. Lady Evelyn betrauert den Tod ihres Geliebten, ein Neuanfang ist für sie undenkbar. Und die junge Hettie ist im glamourösen „Palais“ für einen Sicpence als Tanzpartnerin zu mieten. Sie träumt davon, sich zu verlieben und dem tristen Leben zu entfliehen. Was verbindet die drei Frauen?

5. Alina Bronsky- Baba Dunjas letzte Liebe

Alina Bronsky lässt in ihrem Roman Baba Dunjas letzte Liebe eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet:

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem schrecklichen Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung.

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