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Mann sitzt auf einem Hocker vor einem Fenster und spielt Gitarre

Exklusiv: Jules Saint-Cruz über ihren neuen Roman "Solo: Tunes of Passion"

In ihrem neuen Buch "Solo: Tunes of Passion" erzählt Jules Saint-Cruz die Geschichte einer unwahrscheinlichen Liebe zwischen einer jungen Cellistin und dem Sänger einer Rockband, die auf den ersten Blick nur eines verbindet: die Leidenschaft zur Musik. Uns hat sie exklusiv erzählt, woher die Inspiration für diesen wunderschönen Liebesroman kam und welchen Einfluss der Tod von Chester Bennington darauf hatte.

Musiker und Depression: Die Seele trägt Schwarz

Die Musikwelt wurde in diesem Jahr von zwei Toden erschüttert: Chris Cornells und Chester Benningtons. Ich war sehr ergriffen, denn diese beiden Musiker haben mich mein halbes Leben begleitet. Nahe gegangen sind mir diese traurigen Nachrichten auch, weil ich mich in meinem Roman SOLO – Tunes of Passion gerade intensiv mit der Verarbeitung einer Depression in Musik beschäftigt hatte. Cornell und Bennington haben den Kampf gegen diese leider oft unterschätzte Krankheit aufgegeben, wie so manch anderer ihres Genres zuvor.

All meine Helden werden zu Geistern

Chris Cornell lernte ich in den Neunzigern als Leadsänger von Soundgarden schätzen, dann für grandiose Soloalben wie Euphoria Morning, als Sänger des besten Bond-Soundtracks ever und als Leadsänger der Band Audioslave, die er mit den Instrumentalisten von Rage Against the Machine gegründet hatte. Chester Bennington (und mit ihm natürlich Linkin Park) hörte ich zum ersten Mal an einem nach einer nächtlichen Party total verpeilten Morgen, als die Debütsingle Crawling von MTV aus in mein Ich brüllte und mich packte. Seit meiner Teenagerzeit war ich empfänglich für Rock und Metal und Grunge und sämtliche Crossovers. Ich habe Kurt Cobains Tod (Nirvana) betrauert und exakt acht Jahre danach den von Layne Staley (Alice in Chains). Einer der letzten großen Helden des Grunge ging mit Scott Weiland (Stone Temple Pilots) im Jahr 2015. Alle viel zu jung. Heute ist noch Eddie Vedder (Pearl Jam) da … und einige nachkommende top Musiker, die zwar keinen Grunge machen (Grunge ist bekanntlich dead), aber dennoch seelenvollen Rock. Anfang der 2000er entdeckte ich mit einer Band namens Hurt grandiose Musiker, die ehrlichen, aber düsteren Rock produzieren.

Den Schmerz von der Seele singen

Wie Cobain, Vedder, Cornell, Staley, Weiland und nicht zuletzt Bennington legt Sänger J. Loren Wince in vielen seiner Songs einen Seelenstrip hin und erzählt von den dunklen Zeiten des / seines Lebens. Manche seiner Geschichten mögen die Vorstellungskraft des Hörers übersteigen und an die Grenze des Verweigerns (Nein, das kann nie wirklich geschehen sein) stoßen. Die Interpretation ist dem Hörer überlassen. Ist die Story real oder erfunden? Wer Musik fühlt, wird wissen, dass nichts erfunden sein kann, was mit solcher Emotion verwortet und vertont wurde. „Du schreibst am besten, wenn es dir schlecht geht“ hat mir einmal eine Leserin gesagt – ich denke, dasselbe gilt für Musiker: Sie sind am besten, wenn sie ehrlich sind und bestimmte Schmerzen in die Welt schicken. Um sie zu verarbeiten und sicher in der Hoffnung, damit abzuschließen. Diese Absichten hört der aufmerksame Hörer, wenn er den Songs all jener lauscht, die inzwischen Geister sind. Und auch den Songs von denen, die noch da sind – Vedder und Wince – und es hoffentlich bleiben.

Inspiration aus einem Song

Ich bin ein Grunge-Mädchen und einer der größten Pearl Jam Fans, die heute noch so herumlaufen. Ich weiß, wie sich die Dunkelheit im Inneren anfühlt, was sie anrichten und wie sehr sie manipulieren kann. Als Fan der Band Hurt beschäftigte mich deren Song Rapture seit vielen Jahren. Mitte letzten Jahres wusste ich, wie ich ihn verarbeiten und mir erklären kann: in einer Geschichte – dass ich aufgrund eines Songs das Bedürfnis hatte, einen Roman zu schreiben, ist mir nie zuvor passiert. Aber ich war sofort dabei – bei meinen nicht ganz alltäglichen Protagonisten Judith und Lee. Die Story dieser beiden lest Ihr in meinem Roman SOLO, der im Dezember erschienen ist. Es ist eine Geschichte, die der Depression (insbesondere im Musikgenre) zwar die Verkleidung wegreißt, die aber auch die Hoffnung auf Sonne und Helligkeit macht. Ich wünsche mir, dass SOLO Menschen mit einem Herz für ehrliche Musik und nicht ganz alltägliche Lebensläufe erreicht.

Jules Saint-Cruz

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