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Interview

Mary Cronos im Interview: "Fiktion und Realität kamen sich immer näher, je mehr ich für die Geschichte recherchierte."

Du liebst Fantasy-Romane? Dann solltest du dir unser Interview mit feelings-Autorin Mary Cronos nicht entgehen lassen. Wir sprechen mit ihr über ihren Roman "Houston Hall - Schatten der Vergangenheit" und ihre Nominierung für den Deutschen Phantastik-Preis.

© Colors of Cronos

Mary Cronos alias Dipl. Theol. Maria Schucklies, geboren 1987 in einer Brandenburger Kleinstadt, wuchs überwiegend im Herzen Berlins auf. Nach ihrem Studium an der Humboldt-Universität arbeitet sie heute als freischaffende Künstlerin und Autorin. Seit 2013 erschafft sie als Fotografin, Illustratorin und Designerin visuelle Bilder, seit 2015 – mit dem Auftakt zu ihrer High-Fantasy-Reihe »Nafishur« – auch imaginäre Bilder in den Köpfen ihrer Leser.

Erzähl uns etwas über den Entstehungsprozess von Houston Hall.

Die Geschichte um Houston Hall begleitet mich inzwischen schon ein Jahrzehnt. Seinen Ursprung hat sie ganz unorthodox in einem „RPG“. Einem Foren-Rollenspiel. Ich dachte mir für mich und einige Freunde immer wieder Geschichten aus, deren Figuren wir dann spielten. Es entstanden kleinere und größere Drehbücher und je komplexer die Geschichte um Anthony und Mary wurde, um so dringender wurde der Wunsch, mehr daraus zu machen.

Für viele Jahre schlummerte dann Houston Hall in meinem Hinterkopf, bis meine Agentur sich aus all den Ideen, die ich ihnen vortrug, diese aussuchte. Also begann ich, die Geschichte zu reaktivieren und ihre Figuren wiederzubeleben.

Das ging erstaunlich schnell. Das lag unteranderem daran, dass Fiktion und Realität sich immer näher kamen, je mehr ich für die Geschichte recherchierte. Das Anwesen Houston Hall, die Figur Mary Smith, das Jahrzehnt und das kleine Nest an der schottischen Küste – all das hatte ich mir ausgedacht, ohne ein konkretes Vorbild zu haben. Ich suchte mir dann nachträglich für mehr Details einen Ort aus, der das Setting bilden sollte. Es war reiner Zufall, dass meine Wahl auf Dirleton fiel. Und doch ist es, als hätte ich diesen Ort gekannt, bevor ich meine Geschichte erdacht hatte. Es gibt unfassbar viele Parallelen.

Gibt es Vorbilder für deine Figuren?

Es gibt keine konkreten Personen, an denen ich mich orientiert habe. Sie sind alle eher eine Art liebevolle Mischung aus Menschen, die mir irgendwann einmal begegnet sind. Jeder, der in Berlin mal mit mir Bus oder Bahn fährt, ist ein potentieller Teil meiner Figuren. Meine Protagonistin Mary weißt darüber hinaus viele Parallelen zu ihrer Namensvetterin aus Dirletons Geschichte: Mary Hamilton Bruce, Countess of Elgin, geborene Mary Hamilton Nisbet auf. Kein Wunder, dass es mir nicht gelang, ihr einen anderen Namen zu geben.

Wie viel von dir steckt in dem Buch? Wie viel persönliche Erfahrung?

Wenn ich bedenke, wie lang mich diese Geschichte jetzt begleitet hat – ein Drittel meines Lebens –, dann muss die Antwort lauten: Sehr viel. Ich habe im Grunde keine Verbindung zu Schottland und auch sonst nur meinen Vornamen mit meiner Protagonistin gemeinsam. Und doch glaube ich, dass man kein Buch schreiben kann, ohne die eigene Persönlichkeit mit hineinzugeben.

Ich stimme nicht allem zu, was meine Figuren tun, sagen oder denken. Aber ich kann es zumindest nachvollziehen. Am meisten eigene Gedanken und Erfahrungen stecken wohl in den Szenen, die Tiefgang und Metaebenen in sich verbergen. Das sind meist Themen, über die ich selbst ewig philosophieren könnte.

Hast du Schreibrituale?

Mein Alltag ist aktuell leider zu chaotisch für feste Rituale. Das würde ich sehr gern ändern. Aber ich habe Lieblingsorte und sie zu besuchen, um zu schreiben, ist beinah wie ein Ritual. In den eigenen vier Wänden ist das meine Terrasse. Ich liebe es, dort zwischen Blumen zu sitzen, Berlin zu hören und in meine Romanwelten abzutauchen. Aber ich schreibe auch gern außerhalb meiner Wohnung. Wahrscheinlich gerade, weil ich beim Schreiben gern Leben um mich habe. Ich sitze in meiner Wahlheimat Berlin-Köpenick zum Schreiben gern im Schlosspark am Wasser – oder bei schlechtem Wetter in einem der Cafés. Und vor allem beim Plotten und der Charakterentwicklung fahre ich auch für mein Leben gern mit Bussen und Bahnen.

Was machst du bei einer Schreibblockade?

Meine Lieblingsschreiborte aufsuchen. Wenn das nicht hilft, dann tun es oft gute Musik oder Ambientevideos auf YouTube. Und wenn alle Stricke reißen, dann schnappe ich mir ein (mehr oder weniger) freiwilliges Gegenüber als (mehr oder weniger) schweigenden Dialogpartner. Es hilft mir immer, die bisherige Entwicklung meines Romans darzustellen, problematische Szenen zu erläutern oder Beziehungen zwischen Figuren auseinander zu nehmen. Irgendwann fesselt mich meine Beschreibung so sehr, dass ich aufhöre zu reden und stattdessen wieder anfange zu schreiben.

Was würdest du deinen Lesern gern sagen?

Unglaublich viel. Deshalb habe ich für Houston Hall ja fast 600 Seiten gebraucht. Aber heute vor allem eine Botschaft, die auch mein Buch mitbringt. Gleich zu Beginn steht die erste Strophe eines Gedichts von mir:

Wo Licht ist, ist auch Schatten – sagt man.
Doch scheint niemand recht bedacht zu haben,
Dass so ein Licht sehr wohl alleine strahlen,
Doch Schatten nicht von selbst sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern, dass sie, wann immer ihnen lange Schatten den Tag vermiesen, nach der Lichtquelle suchen. Ich wünsche meinen Lesern, Marys Optimismus, um immer weiterzumachen und Hoffnung zu haben, und Anthonys Zweifel, um stets wachsam zu sein und keinen allzu einfachen Wahrheiten zu glauben.

Eine letzte Frage haben wir doch noch: Houston Hall wurde jüngst für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert. Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?

So klischeehaft das klingt: Ich habe wirklich nicht damit gerechnet und bin jetzt unglaublich aufgeregt. Das ist meine erste Nominierung und es wäre großartig, wenn es Houston Hall gelänge, die Shortlist im Herbst zu erreichen. Ich trete gegen tolle Kollegen und Kolleginnen an. Die meisten von ihnen durfte ich schon kennenlernen, mit einigen bin ich befreundet und jedem von ihnen würde ich den Titel „Bester deutscher Roman“ von Herzen gönnen. Ich muss mich gegen Größen wie Markus Heitz, Andreas Eschbach oder Frank Schätzing behaupten. Allein mit diesen Autoren gemeinsam genannt zu sein, ehrt mich. Trotzdem bin ich so optimistisch (ich nehme hier den Rat an meine Leser selbst zu Herzen) und vielleicht auch naiv, auf genügend Stimmen für die Shortlist zu hoffen. Ich muss dafür genug Stimmen aus dem Publikum bekommen, um unter den besten Fünf zu sein. Jeder kann online abstimmen auf der Website des Deutschen Phantastik-Preises – noch bis zum 31.08.2019. Hier geht es zur Abstimmung!

"Houston Hall - Schatten der Vergangenheit" von Mary Cronos

4.99 €

Eine spannende, übernatürliche Liebesgeschichte vor der Kulisse Schottlands – ein Kampf um Leben und Tod und für die eine große Liebe.

Anthony lebt allein auf dem Familienlandsitz Houston Hall in Schottland, seit seine ganze Familie einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Tod der Eltern und der geliebten Schwester haben den aufstrebenden Anwalt aus Edinburgh zu einem anderen Menschen gemacht; die Dorfbewohner halten ihn für wunderlich, manche gar für verflucht. Nachdem er die letzte Haushaltshilfe gefeuert hat, steht überraschend eine junge Frau vor der Tür, die sich auf die Stelle bewirbt: Mary Smith. Mit Mary beginnt Anthony wieder am Leben teilzunehmen und lässt sogar – wenn auch zögerlich – Gefühle zu. Doch er weiß nicht, wen er in sein Herz lässt: Mary weiß um die Wahrheit hinter dem Unglück seiner Familie. Sie weiß um die Monster, die nicht nur sein Leben bedrohen, denn sie stellt sich ihnen schon seit 200 Jahren in den Weg. Als plötzlich eine Totgeglaubte wieder auftaucht, ist Mary sicher, dass er in großer Gefahr schwebt. Nun muss sie kämpfen, um zugleich Houston Hall und ihre Liebe zu Anthony zu retten.

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