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Familiensaga

Das Leben der 20er Jahre: Mode, Trends & mehr

Die 20er Jahre sind bis heute legendär und sagenumwoben. Auch wenn der wirtschaftliche Aufschwung längst nicht alle Bevölkerungsschichten erreichte, so entwickelte sich doch eine ganz neue Massenkultur und insgesamt ein positives Lebensgefühl, insbesondere in Kontrast zu den schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Heutzutage können wir von dieser Zeit nur noch träumen. Vor allem die 20er Jahre Mode und die zeitgenössische Musik erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit und erfahren momentan sogar ein kleines Comeback.

Doch was verbirgt sich hinter der scheinbaren Sehnsucht nach dem Leben vergangener Jahrzehnte? Viele Menschen möchten mit der Erinnerung an die Vergangenheit und vermeintlich guten alten Zeiten dem Alltag auf fantasievolle Art und Weise ein wenig entfliehen. Doch wie war das Leben in der Zwischenkriegszeit eigentlich wirklich? Wir haben daher für Dich einige Informationen und Wissenswertes über die Zeit zusammengetragen. Begib Dich mit uns auf eine Zeitreise und erfahre, wie die Menschen damals ihr Leben gestalteten.

Kunst in den 20er Jahren

Wusstest Du schon, dass die so genannten „Goldenen Zwanziger“ so gesehen gar kein vollständiges Jahrzehnt waren? Gemeint sind damit lediglich die Jahre von 1924 bis 1929. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen Industrienationen der Welt beflügelte der Wirtschaftsaufschwung in den 20er Jahren die Menschen und verlieh ihnen ein Gefühl des Aufbruchs in ein neues Leben. Dieses Leben sollte vor allen Dingen friedvoll sein, nachdem der Erste Weltkrieg viele Bürger traumatisiert hatte. Für einige Jahre wirkte sich das neue, positive Lebensgefühl innerhalb der Gesellschaft insbesondere auf die Bereiche Kunst, Kultur und Wirtschaft aus. Dieser Einfluss hält bis heute an.

Die bildende Kunst war von der sogenannten „Neuen Sachlichkeit“ geprägt. Das heißt, dass die Künstler sich im Gegensatz zum vorhergegangenen Expressionismus auf das Sichtbare zurückbesinnen wollten und somit die Kunst als Mittel der Dokumentation einsetzten. Hierfür wurden unterschiedliche Gattungen wie das Stillleben aber auch die Porträt- und Landschaftsmalerei sowie die Stadtansicht wiederbelebt. Darüber hinaus war auch die Aktmalerei unter Künstlern weit verbreitet. Außerdem spielten politisches Interesse und soziale Kritik in der Kunst nun eine große Rolle. Viele Künstler nutzten ihre Werke zum Ausdruck ihrer politischen Ansichten. Weitere Themen, die in der Kunst verarbeitet wurden, waren das Großstadt-Leben inklusive der weit geöffneten Schere zwischen Arm und Reich sowie die damals moderne Frau, die erstmals wählen gehen durfte. Dieses Recht war eine Errungenschaft der sogenannten „ersten Welle“ des Feminismus, welcher den Grundstein der bis heute anhaltenden Emanzipation der Frauen legte.

Zu den berühmten Künstlern der Zeit gehörten Paul Klee, Max Klinger und Otto Dix, welcher für sein „Großstadt-Triptychon“ bis heute bekannt ist. Es steht beispielhaft für die neue Schamlosigkeit der damaligen Zeit, da es unter anderem Prostituierte freizügig darstellt. Dies wäre noch einige Jahre zuvor und insbesondere im Kaiserreich absolut undenkbar gewesen und steht daher symbolisch für die neugewonnene, kulturelle Freiheit der Menschen. Der aus Frankreich stammende Stil „Art déco“ war damals besonders beliebt und wurde für die Gestaltung verschiedenster Dinge genutzt. Dazu gehörten beispielsweise Möbel, Schmuck und weitere Gebrauchsgegenstände. Möbel im Art-Déco-Stil wurden aus edlen Hölzern gefertigt oder schwarz lackiert und vereinten geschwungene mit geometrischen und kubistischen Formen. Doch auch auf die Architektur der Zeit hatte der Stil „Art déco“ einen großen Einfluss. Charakteristisch dafür waren florale und organische Motive oder auch Sonnenstrahlen. Diese wurden jedoch stilisiert dargestellt und ergaben somit klare, elegante Formen, die meist symmetrisch angeordnet waren. Dabei wurden beispielsweise keine Schatten dargestellt. Dies war damals äußerst modern. Typischerweise wurden Edelstahl, Aluminium und Chrom verarbeitet. Anfang der 20er Jahre entwickelte sich in Deutschland zudem die Kunstschule von Walter Gropius. Sie ist bis heute unter dem Namen Bauhaus bekannt und kombiniert Elemente der Kunst mit dem Handwerk.

Extravaganz pur: Die 20er Jahre Mode

Durch den kulturellen Umschwung bewegte sich auch einiges in Sachen 20er Jahre Mode. Die 20er Jahre Mode hatte viele Charakteristika, für die sie heute noch sehr bekannt ist. Du kennst bestimmt auch den glorreichen Film „The Great Gatsby“, der Dir einen guten Eindruck in die Modewelt der 20er Jahre gibt. Frauenkleider waren damals weit und gerade geschnitten, wodurch ein androgyner Look erreicht werden sollte. Dies wurde als Teil der Emanzipation empfunden. Im Alltag trugen die Damen der 20er Jahre daher eher schlichte Kleider, die meist aus Seide gefertigt und mit Plissees verziert waren. Zu feierlichen Anlässen machten sie sich jedoch sehr schick. Vielleicht hast Du auch schon einmal Original-Bilder aus der Zeit gesehen, auf denen Frauen exotisch anmutende Feder-Boas tragen und sich mit Perlenketten und Stirnbändern schmücken.

Zu den beliebten Trendteilen der 20er Jahre Mode gehörten insbesondere mit Pailletten besetzte Fransen-Kleider, lange Handschuhe und Fächer. Ihre Haare trugen die Damen meist kinnlang. Dieser Schnitt wurde auch Bubikopf genannt. Der Trend zur Kurzhaarfrisur war ebenfalls Teil der Emanzipation und stand für den sozialen Wandel und die neue Stellung der Frau in der Gesellschaft. Teilweise verschönerten die Damen ihre Frisur zusätzlich durch eine edel anmutende Wasserwelle. Diese begegnet Dir auch heute übrigens öfter wieder auf den roten Teppichen in Hollywood. Dazu trugen die Frauen gerne mit Federn verzierte Stirnbänder. Als elegante Kopfbedeckung waren außerdem eng geschnittene Topfhüte in der Mode der 20er Jahre sehr beliebt. Ganz neu auf dem Markt waren Synthetik-Fasern, die erstmals weiche und geschmeidige Strümpfe möglich machten. Bis dahin puderten sich die Damen ihre Knie – kannst Du Dir das vorstellen? Sehr angesagt waren damals auch überlange Zigarettenspitzen, die jeder Frau einen lässigen Look verliehen.

Die 20er Jahre Mode war für Männer hingegen weitestgehend klassisch: Sie trugen meist dunkle Anzüge mit gepolsterten Schultern und verstärkter Brust, um ihre Männlichkeit zu betonen. Ganz stereotypisch für die 20er Jahre Mode der Männer: Die Bad Boys der Mafia trugen auch gerne mal einen Nadelstreifenanzug. Dieser Style ist heutzutage vor allem auf Mottopartys zu finden. Doch auch so genannte Knickerbocker waren ein beliebtes Kleidungsstück bei den Herren der Schöpfung. Dies waren wadenlange Überfallhosen, die ursprünglich aus Leder bestanden und aufgrund ihrer Strapazierfähigkeit von Wanderern, Bergsteigern sowie beim Fußball von Torhütern getragen wurden. Darüber hinaus waren flache Schiebermützen und Hosenträger bei Männern sehr beliebt.

Das Leben in den 20er Jahren

Doch nicht nur die 20er Jahre Mode brachte Bewegung in das kulturelle Treiben der Leute. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, doch erst durch den neu geregelten, achtstündigen Arbeitstag sowie durch tariflich geregelte Urlaubszeiten konnten viele Menschen aktiv ihre Freizeit gestalten. Diese Chance ergriffen sie und erfreuten sich an ihrer neuen Freiheit, indem sie einen hedonistischen Lebensstil übernahmen; das heißt, dass für sie plötzlich das Vergnügen und die Freude am Dasein im Mittelpunkt ihres Lebens standen.

Massenweise vergnügten sich die Menschen beispielsweise beim Sport. Dieser war dabei nicht nur eine reine Leibesbetätigung, sondern wurde regelmäßig als großes, gesellschaftliches Event mit vielen Gästen und Zuschauern gefeiert. Besonders populär waren Ruderregatten, Autorennen und Turnfeste. Auch das Boxen wurde zu einer sehr beliebten Sportart in den 20ern. Einhergehend mit dieser Entwicklung war auch die Entstehung von 20er Jahre Mode für die Freizeit und den Sport. Neben sportlichen Aktivitäten erfreuten sich auch Rummelplätze, Theater, Bibliotheken und Volkshochschulen großer Beliebtheit. In Deutschland entwickelte sich Berlin zur Weltmetropole des Theaters, der Kunst, der Musik und des kulturellen Lebens.

Musik & Medien in den 20er Jahren

Die Zeit der Goldenen Zwanziger war insbesondere in den höheren Gesellschaftsschichten von purer Lebensfreue geprägt, die sie in zahlreichen Festen und Feiern zum Ausdruck brachten. Auch hier zeigt Dir F. Scott Fitzgeralds Buch „The Great Gatsby“ ein eindrucksvolles Bild der 20er Jahre, wenn auch in Amerika.

Typisch sind dabei die Musikrichtungen Jazz und Swing sowie der flotte Charleston-Tanz. Sie alle kamen als Inspiration aus den Vereinigten Staaten zu den Menschen. Jazz und Swing entwickelten sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts und sind für ihre eigenwillige Rhythmik und ihre Tanzbarkeit bekannt. Letzteres gilt insbesondere für den Swing. Fast einhundert Jahre später wurde der Swing in Form des Elektro-Swings wiederbelebt. Den Charleston siehst Du dagegen heutzutage eher selten. Dabei könnten Du und Deine Freunde sicher großen Spaß dabei haben, die kleinen, hüpfenden Schritte nachzumachen. Ihr könnt euch dazu im Kreis drehen und völlig frei nach Lust und Laune die Arme dazu herumschwingen. Das klingt vielleicht komisch, aber genau so wurde es damals auch gemacht. Arme und Beine getrennt voneinander zu bewegen, ist nämlich ein zentraler Bestandteil dieses Tanzes, ebenso wie das Rudern mit den Armen. Doch auch der etwas unkompliziertere Foxtrott wurde gerne auf Tanzabenden zum Ausdruck gebracht. Du kennst diesen Tanz vielleicht bereits aus der Tanzschule. Berühmte Künstler dieser Zeit waren übrigens die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Paul Goodwin und Louis Armstrong.

Ein neues Massenmedium der 20er Jahre war der Film, genauer gesagt der Stummfilm. Die Zahl der deutschen Kinos beziehungsweise Lichtspielhäuser verdoppelte sich in der Zeit zwischen 1918 und 1930 und Deutschland wurde somit das Land mit den meisten Kinos innerhalb Europas. Pro Tag besuchten ungefähr 2 Millionen Menschen die deutschen Kinosäle. Neben Spielfilmen und Dokumentationen über die Natur wurde auch die Wochenschau im Kino gezeigt. Diese bestand aus verschiedenen Filmberichten über gesellschaftliche und politische Ereignisse und war somit der Vorläufer der heutigen Nachrichtensendungen. Kannst Du Dir vorstellen, für die Tagesschau ins Kino zu gehen? Damals war das die Normalität und erfreute sich sogar großer Beliebtheit. Bis heute bekannte Spielfilme aus der Zeit sind beispielsweise „Das Kabinett des Dr. Calgari“ von 1920 oder „Metropolis“ von 1927, auch wenn dieser zu seiner Zeit noch als Misserfolg galt. Ab 1927 setzte sich zudem der Tonfilm mehr und mehr durch.

Rundfunk war im Gegensatz zum Kino aus Kostengründen nicht allzu sehr verbreitet. Dennoch waren Hörspiele sehr beliebt und auch Operetten wurden im Radio übertragen. Darüber hinaus wurden Schallplatten auf Grammophonen gehört und Illustrierte gelesen. Wo Du heute an jeder Ecke ein buntes Magazin kaufen kannst, war dieses damals ganz neu auf dem Markt.

Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der 20er Jahre

Das Ende des Ersten Weltkrieges ist mittlerweile einhundert Jahre her. Das ist eine ganz schön lange Zeit, findest Du nicht? Vielleicht geht es Dir ähnlich wie den meisten und Dein Geschichtsunterricht ist schon etwas her. Deswegen fragst Du Dich vielleicht auch manchmal, wie es dazu kommen konnte, dass die 20er Jahre so besonders waren, dass sie uns heute noch derart faszinieren.

Die Zeit zwischen den Weltkriegen erstreckte sich vom 11.11.1918 bis zum 01.09.1939. Dazwischen fallen die Goldenen Zwanziger. Insgesamt war die Zeit jedoch vor allem von Instabilität und Krisen geprägt. Bis 1923 herrschte beispielswiese eine Hyperinflation. Nach dem Ersten Weltkrieg litten viele Menschen an Hunger und hatten keine Arbeit. Einige Jahre später brach 1929 dann auch noch die Weltwirtschaft infolge des Börsen-Crashes zusammen. Ab 1924 gab es jedoch für einige Jahre einen deutlichen Aufschwung und das Leben blühte auf. Die Menschen waren beflügelt und hofften auf eine friedvolle Zukunft. Rückblickend mag es gar wirken, als wollten die Menschen die durch den Krieg verlorene Lebenszeit nachholen. Zugleich modernisierte sich das Leben und auch die Demokratie hielt Einzug in Deutschland. Die Goldenen Zwanziger fallen in Deutschland in die Zeit der Weimarer Republik. Diese war während dieser Zeit relativ stabil. Deutschland wurde nach dem Ersten Weltkrieg in das Staatensystem neuintegriert und fand seinen Weg zurück an die Weltmärkte. Allerdings war es zugleich von hohen Krediten abhängig, die vor allem aus den USA kamen. Doch auch kulturell wurde Deutschland stark durch Amerika beeinflusst und vom „American Way of Life“ inspiriert. Durch den sozialen Wandel und die neu gewonnene Freiheit drückten die Menschen dies in der Kunst, Kultur und der 20er Jahre Mode aus. Übrigens waren die 20er Jahre auch eine Blütezeit der Wissenschaft. So wurden zwischen 1925 und 1929 sechs Nobelpreise an deutsche Bürger verliehen, darunter Albert Einstein.

Wenn Dich das Leben und die Kultur aus der Zeit der Goldenen Zwanziger ebenso fasziniert wie uns, dann möchten wir Dir eine Familiensaga ans Herz legen, die in genau dieser Zeit beginnt und Dich mit Sicherheit in ihren Bann ziehen wird.

Töchter einer neuen Zeit

19.95 €

Henny Godhusen, Jahrgang 1900, erlebte gleich zwei Weltkriege am eigenen Leib. Dabei gibt es nach dem ersten Krieg Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Im Frühjahr 1919 beginnt Henny deshalb lebensfroh und zuversichtlich ihre Ausbildung zur Hebamme. Diese absolviert sie in der Frauenklinik Finkenau in der Hansestadt Hamburg. Die Klinik gilt damals als eine der modernsten des Landes und auch das Leben in Hamburg gefällt der jungen Frau gut. Begleitet wird Henny von Ida, einer wohlhabenden Frau, Käthe, Unterstützerin der Kommunisten aus einfachen Verhältnissen, und Lina, die alleinstehend ist und als Lehrerin arbeitet. Gemeinsam erleben sie auf der Suche nach ihrem eigenen Glück neben persönlichen Schicksalsschlägen auch den Aufstieg der Nazis und die Bedrohung durch den Zweiten Weltkrieg.

Diese vier Frauen sowie ihre Kinder und Enkel werden im Laufe einer Trilogie begleitet, die durch „Töchter einer neuen Zeit“ eröffnet wird.

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